Netzwerke für die Zukunft

aus: „Deutschland“ magazine/Februar/März 2009 und www.magazine-deutschland.de (15.01.2009)

 

Ende 2008 kam neu gegründete Kuratorium der Stiftung Deutsch-Israelisches Zukunftsforum zum ersten Mal in Berlin zusammen. Ein Interview mit dem Vorsitzenden des Zukunftsforums, Dr. Michael Jansen

Herr Dr. Jansen, im November 2008 trat das neu gegründete Kuratorium der Stiftung Deutsch-Israelisches Zukunftsforum zum ersten Mal im Auswärtigen Amt in Berlin zusammen. Die Idee dahinter stammt aber aus dem Jahr 2005: Können Sie uns etwas über den „Initialfunken“ zur Gründung des Zukunftsforums erzählen?

Die Idee wurde zum ersten Mal in Gesprächen zwischen Bundespräsident Köhler und Staatspräsident Katzav bei dessen Besuch in Berlin im Mai 2005 erörtert. Beide gingen von der Frage aus, was getan werden kann um über den bestehenden Jugendaustausch hinaus Netzwerke für die deutsch-israelischen Beziehungen der Zukunft aufzubauen.

Warum hat es eigentlich drei Jahre gedauert, bis das Kuratorium gegründet wurde? War es schwer, die entsprechenden Persönlichkeiten zu finden?

Die Stiftung Deutsch-Israelisches Zukunftsforum ist am 6. Dezember 2007 gegründet worden. Die beiden Regierungen haben sich dann noch einmal, in feierlicher Form, bei den ersten deutsch-israelischen Regierungskonsultationen im März 2008 in Israel zu dem Projekt bekannt. Bis zur Stiftungsgründung musste zwischen den beiden Regierungen die Zielsetzung, die Finanzierung und die Einzelheiten der Satzung geklärt werden. Erst nach der Stiftungsgründung konnte dann über die Besetzung des Kuratoriums entschieden werden. Für diese Aufgabe engagierte Persönlichkeiten zu finden, fiel beiden Regierungen nicht schwer. Von israelischer Seite gehören dem Kuratorium Botschafter Yoram Ben Ze‘ev, die Historikerinnen Ruthie Eitan und Fanja Oz-Salzberger, der Unternehmer Michael Federman, die Schriftstellerin Nava Semel und der Journalist David Witzthum an. Auf deutscher Seite sind es Staatssekretär des Auswärtigen Amts Reinhard Silberberg, der Publizist und ehemalige Kulturstaatsminister Michael Naumann, der Mitherausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ Günther Nonnenmacher, Christina Rau, Politologin und Witwe des ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau, sowie die Filmproduzentin Regina Ziegler – und ich gehöre dem Kuratorium ebenfalls an.

Aus welchen Gründen haben Sie selbst zugesagt, den Vorsitz des Kuratoriums zu übernehmen?

Als damaliger Chef des Bundespräsidialamts hatte ich 2005 an den Gesprächen zwischen Bundespräsident Köhler und Staatspräsident Katzav teilgenommen und mit dem damaligen israelischen Botschafter Stein auch den Besuch vorbereitet. Die Idee der engeren Vernetzung der Jüngeren Generationen auf beiden Seiten hat mir von Anfang an sehr eingeleuchtet und gefallen.

Nach welchen Kriterien setzt sich das Kuratorium zusammen? Und welche Aufgaben übernimmt es konkret?

Das Kuratorium handelt wie ein Aufsichtsrat. Im Rahmen der Satzung legt es die Aufgaben des Vorstands fest und überwacht, unterstützt und berät ihn bei seiner Tätigkeit. Es entscheidet über die Vergabe der Mittel und beschließt den Haushaltsplan. Gerade in der jetzigen schwierigen Wirtschaftslage muss das Kuratorium der Erhaltung des Stiftungsvermögens besondere Aufmerksamkeit widmen.

Welche nächsten Schritte hat das Deutsch-Israelische Zukunftsforum für 2009 und 2010 geplant?

Wir werden uns jetzt zunächst der Bekanntmachung der Stiftung und der Ausarbeitung von Programmrahmen widmen und uns in der nächsten Kuratoriumssitzung Ende April 2009 mit ersten Projektideen befassen und dann auch erste Projektausschreibungen herausgeben.

Bundesaußenminister Steinmeier hat als eines der Projekte die Ausschreibung eines deutsch-israelischen Jugendpreis es angeregt? Können Sie Beispiele für Projekte nennen, die Sie sich dafür vorstellen?
Die Anregung von Außenminister Steinmeier ist vom Kuratorium positiv aufgenommen worden. Was mir vorschwebt, ist die Auszeichnung von zukunftsorientierten und besonders qualifizierten Engagements und Projekten, die die deutsch-israelischen Beziehungen voranbringen.

Junge Deutsche und Israelis miteinander in Kontakt zu bringen, soll eine der zentralen Aufgaben des Zukunftsforums sein. Nun gibt es schon einige Institutionen, die ähnliche Ziele verfolgen.

Worin wird sich die Arbeit des Zukunftsforums unterscheiden?

Die Stiftung soll grundsätzlich nicht Projekte fördern, die es schon gibt. Uns geht es um die Bildung von Multiplikatorennetzwerken junger Menschen aus beiden Ländern in Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien über die laufende Förderung bestehender Kontakte hinaus.

Halten Sie es vor dem Hintergrund der Geschichte für besonders schwierig junge Deutsche und junge Israelis zusammenzubringen?

Das glaube ich nicht. Dass wir vor dem Hintergrund einer leidvollen Geschichte agieren, ist wahr. Aber das stört nicht das Interesse aneinander und auch nicht die gegenseitigen Erwartungen an die Zukunft unserer Länder. Glücklicherweise interessieren sich noch viele junge Menschen für das jeweils andere Land. Wir wollen aber sicherstellen, dass das auch in dreißig oder vierzig Jahren noch so ist.

Die Deutsch-Israelischen Gesellschaften aber klagen zum Teil durchaus über Nachwuchsprobleme – ist das Interesse an einem Austausch heute weniger groß als in früheren Jahren?

Welche Themen könnten junge Leute zusammenbringen?

Es gibt seit vielen Jahren sehr intensive und ausgebaute Beziehungen im Bereich der Wirtschaft sowie von Wissenschaft und Forschung. Der deutsch-israelische Jugendaustausch hat in den letzten Jahren zugenommen. So konnte zum Beispiel im Jahr 2007 mit über 200 Austauschprogrammen im außerschulischen Jugend- und Nachwuchskräfteaustausch, mit rund 5000 Teilnehmern, wieder ein ähnlicher Umfang wie Ende der neunziger Jahre erreicht werden. Die Förderung des Dialogs zwischen den jungen Menschen auf beiden Seiten hat für uns hohe Priorität. Deshalb wollen wir diesen Dialog fördern und ausbauen.

Was verbindet Sie persönlich mit Israel?

Ich bin seit vielen Jahren durch berufliche und private Kontakte mit Menschen in Israel verbunden. Ich freue mich, dass ich mitwirken darf, die Verbindungen zwischen unseren Ländern noch fester zu knüpfen.